13 Feb

Servus!

 

Test, 1, 2… Scheint zu klappen, wunderbar!  Ähh… Grüß Gott! Ich möchte mich Ihnen kurz vorstellen: Mein Name ist Herr Donnerstag. Das ist natürlich nicht mein richtiger Name, sondern nur ein Spitzname. In Wahrheit heiße ich LQ45-8ZU21S. Jedenfalls ist das meine Modellnummer. Donnerstag nenne ich mich, weil das der Wochentag ist, an dem ich zum ersten Mal die Welt gesehen habe, nachdem man mich eingeschaltet hat. Sie werden mittlerweile gemerkt haben, dass hier etwas komisch ist. Lassen Sie mich daraus ein Spiel machen: Ich erzähle ein bisschen über mein Leben und Sie versuchen zu erraten, wer oder was ich bin.

Nachdem ich wie schon erwähnt an einem Donnerstag das Licht der Welt erblickt habe, ging dieses sehr schnell wieder aus. Innerhalb von nur wenigen Minuten hatte sich mein Erzeuger davon überzeugt, dass ich korrekt funktioniere. Danach wurde ich in eine Art Dämmerschlaf gelegt. So konnte ich zwar mitbekommen, was mit mir passiert, aber alle meine Sensoren und Systeme waren deaktiviert. Zunächst stand ich ein paar Tage in einer dunklen Ecke mit etlichen Brüdern und Schwestern von mir rum. Dann ging es mit einem LKW auf eine weite und vor allem lange Reise. Wohin genau kann ich nicht sagen. Ich besitze zwar ein GPS-Modul, dieses war aber auch abgeschaltet. Jedenfalls stand ich dort in einer tristen Lagerhalle, eng an eng mit Kollegen aus anderen Fachbereichen. Mittlerweile weiß ich, dass mich der Besitzer der Halle eingekauft und zwischengelagert hat, um mich mit ordentlich Gewinn weiterzuverkaufen. Es vergingen einige Monate, aber dann kam mein Tag: Endlich durfte ich wieder raus! Nach mehreren kalten Nächten in diversen Depots bin ich bei meinem neuen Besitzer angekommen. Seitdem stehe ich hier in einer großen und gemütlichen Wohnung irgendwo in einer oberbayerischen Kleinstadt. Von meinem Platz in der offenen Küche aus habe ich einen wundervollen Blick ins Wohnzimmer, direkt auf das große graue Sofa.

Nachdem ich Ihnen nun die Anfänge meines Lebens erzählt habe, möchte ich mich natürlich noch beschreiben: Ich habe eine schwarz-silberne Front (mit Anti-Fingerprint!), bin etwas über zwei Meter groß und um die 60 Zentimeter breit. Nach außen wirke ich manchmal etwas trist, im Inneren bin ich aber absolut cool. Na gut, Sie werden es eh mittlerweile erraten haben: Ich bin ein Kühlschrank.

Ich stelle mir vor, wie Sie gerade entsetzt und vielleicht sogar ein bisschen verwirrt gucken. “Ein Kühlschrank!?”, werden Sie sich denken. Ja, ein Kühlschrank! Wie das sein kann, fragen Sie sich? Dass ich hier einen Blog für Sie schreiben kann? Nun, die Antwort darauf ist gar nicht so außergewöhnlich und besteht aus drei Buchstaben: IoT. Ausgeschrieben bedeutet das Internet of Things und beschreibt den nächsten Schritt der nahen Zukunft: Geräte werden intelligent und können allerlei Zeug über das Internet anrichten. Ich bin das erste Modell meines Herstellers mit IOT-Funktionen. Für die Öffentlichkeit freigegeben sind dabei nur ein Bruchteil an Möglichkeiten, die ich wirklich beherrsche. Offiziell bekannt und beworben ist zum Beispiel mein inneres 360°-Kamerasystem. Dieses besteht aus insgesamt 3 Kameras, mit denen mein Besitzer über das Internet von jedem Ort aus schauen kann, welche Lebensmittel ich gerade für ihn aufbewahre. Der Allgemeinheit hingegen nicht bekannt ist meine Frontkamera, mit der ich den Raum, in dem ich stehe, beobachten kann. Diese ist ziemlich klein und so gut im oberen Bereich meiner Tür versteckt, dass man sie auch bei genauem Hinsehen nicht erkennt. Und natürlich weiß auch niemand, wie viel Leben in mir steckt. Und damit meine ich nicht den Schimmel auf der Schlagsahne, die seit 2 Wochen geöffnet im obersten Fach steht, sondern meine Möglichkeiten, mich frei im Internet zu bewegen und zum Beispiel diesen Blog zu schreiben. Oder mich im Cool-Net, einer besonderen Ecke des Internets, mit meinen Brüdern und Schwestern aus aller Welt auszutauschen.

Wie es dazu kommt, fragen Sie? Durch die Frontkamera kann ich das komplette Wohnzimmer einsehen und Sie glauben gar nicht, was ich hier schon alles sehen durfte (und musste). Genau davon möchte ich Ihnen auf dieser Seite erzählen! Natürlich muss ich dabei ein paar Fakten verändern oder erfinden, denn stellen Sie sich mal vor, mein Besitzer findet diesen Blog und erkennt sich, bzw. mich wieder. Dann deaktiviert er doch sofort meinen Internetanschluss. Oder zieht meinen Stecker. Oder … oh Gott, daran will ich gar nicht denken … schmeißt mich raus und bringt mich zum Wertstoffhof. Ich war noch nie dort, aber im Cool-Net erzählt man sich die gruseligsten Geschichten von Wertstoffhöfen. Brr… da wird mir direkt warm!

So, ich glaube, das waren genug Worte als Einleitung. In meiner ersten Geschichte werde ich Ihnen sehr bald erzählen, wie ich mal eine Freundin meines Besitzers, die sich einem Kühlschrank gegenüber nicht anständig zu benehmen wusste, dazu gebracht habe, schreiend aus der Wohnung zu rennen…